Leistenbruchchirurgie

Über 70 % aller Eingeweidebrüche sind Leistenbrüche (Leistenhernien oder auch Inguinalhernie). Die Leistenbruchoperation ist daher die häufigste Hernienoperation.

Aufgrund der anatomischen Gegebenheiten im Leistenkanal sind Männer wesentlich häufiger betroffen als Frauen.

Ein Leistenbruch ist zunächst einmal ungefährlich und verursacht keine oder nur wenige Beschwerden. Die Patienten bemerken eine kleine Beule oder Vorwölbung in der  Leiste, die sich beim Husten oder Pressen vergrößert. Solange nichts eingeklemmt wird, treten in der Regel keine Schmerzen auf, sondern es wird eher ein unangenehmes Ziehen in der Leiste verspürt. Gefährlich wird ein Leistenbruch in dem Moment, wenn Darm oder andere Bauchorgane in dem Bruch einklemmen und dann Durchblutungsstörungen auftreten, die bis zum Absterben von Darmanteilen führen können. In diesem Fall muss der Patient kurzfristig notfallmäßig und mit erhöhtem Risiko operiert werden. Um das zu verhindern, empfiehlt es sich, die Operation bei zunehmenden Beschwerden geplant durchzuführen. Dann kann in Ruhe das optimale Operationsverfahren ausgewählt werden und der Eingriff ist in der Regel problemlos ambulant durchführbar.

 

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Was ist ein Leistenbruch?

Bei einem Leistenbruch (auch Leistenhernie genannt) (nicht zu verwechseln mit einem Knochenbruch) drücken sich Eingeweide, beispielsweise Dünndarmschlingen, durch eine natürliche Schwachstelle der Bauchwand in den Leistenkanal. Durch diesen Kanal verläuft beim Mann der Samenleiter, bei der Frau das runde Mutterband.

Kommt es zu einem Riss bzw. zu einem Defekt in der Bauchwand, kann sich eine von außen sicht- und tastbare Vorwölbung bilden: der Leistenbruch. Bei Männern tritt dieses Erkrankungsbild aufgrund ihres Körperbaus deutlich häufiger auf als bei Frauen.

Beim Mann bildet die Leistengegend eine gewisse Schwachstelle, die dadurch entstanden ist, dass hier die Hoden im Laufe der Entwicklung in den Hodensack absteigen.

Ursachen für einen Leistenbruch

Ein Leistenbruch kann unterschiedliche Ursachen haben. Eine geschwächte Bauchwandmuskulatur oder Bindegewebsschwächung spielen hier ebenso eine Rolle wie erhöhter Druck im Inneren des Bauches. Dieser kann durch schweres Tragen und Heben, chronisches Husten und Niesen oder anstrengendes Pressen beim Stuhlgang hervorgerufen werden. Bei all diesen Gelegenheiten entsteht dann zusätzlicher Druck auf die Bauchwand, der langfristig zu einer Ausstülpung im Leistenkanal und einer Vorwölbung in der Bauchdecke führen kann.

Symptome, Komplikationen

Auffällig wird ein Leistenbruch durch die angesprochene Vorwölbung der Bauchwand sowie zunächst leichte ziehende Schmerzen. Diese entstehen durch den konstanten Druck des Gewebes, das sich seinen Weg durch die Schwachstelle des Körpers bahnt. Je mehr Gewebe durch die Schwachstelle drückt, desto stärker ist das Druckempfinden. Ein Bruch, der einfach in die Bauchhöhle zurückgleitet oder zurückgeschoben werden kann, stellt im Allgemeinen keine unmittelbare Gesundheitsbedrohung dar.  Wird der Bruch allerdings nicht bald behandelt, vergrößert er sich im Laufe der Zeit immer mehr und in dem Bauchwandloch kann dann sogar eine Darmschlinge einklemmen, sie kann dann nicht mehr zurückgleiten oder zurückgedrückt werden (eingeklemmter oder inkarzerierter Bruch). Sollte diese Darmschlinge dann nicht mehr vollständig durchblutet werden, kann das Gewebe absterben. Dieses führt unter Umständen zu einer äußerst schmerzhaften und schlimmstenfalls sogar lebensbedrohlichen Komplikation, da ein Darmverschluss oder sogar eine Bauchfellentzündung daraus entstehen können.

Klassische Behandlung von Leistenhernien

Ein Leistenbruch heilt niemals von alleine. Klassische Bruchbinden stellen keinerlei Alternative zu einer Operation dar - im Gegenteil: wird der Leistenbruch nicht operiert, erweitert sich das Bauchdeckenloch und es kann zu den schon genannten Komplikationen kommen.

Um diese Komplikationen erst gar nicht entstehen zu lassen, sollten Leistenbrüche kurz- bis mittelfristig operiert werden. Um so mehr, da Leistenbruchoperationen nur ein minimales Risiko bergen, weil sie zu den häufigsten Operationen in Deutschland gehören und die Chirurgen - insbesondere die Chirurgen, die diese Operationen sehr häufig durchführen - deshalb über sehr viel Erfahrung verfügen.

Es gibt unterschiedliche Methoden, einen Leistenbruch zu operieren. Bei den herkömmlichen klassischen Operationsverfahren werden die vorgestülpten Gewebeanteile zurückgedrängt und die Bruchlücke, also die aufgedehnte Öffnung im Gewebe mit Nähten verschlossen. Bei diesem Verfahren kommt es in der Regel im Bereich der Nähte zu Spannungen. Diese ziehen Schmerzen nach sich. Außerdem vergehen bis zur vollständigen Vernarbung und somit bis zur vollständigen Belastung bei diesem Operationsverfahren 3 Monate.

Moderne spannungsfreie OP-Verfahren (tailored approach)

 

Die modernen Operationsmethoden verzichten auf zusammenziehende Nähte. Die Bruchpforte wird stattdessen mit einem Kunststoffnetz verschlossen. Diese Netze gibt es in verschiedenen Formen und Größen. Alle haben gemeinsam, dass der Bruch spannungsfrei verschlossen werden kann, jedes System hat aber auch spezielle Stärken. Daher wird während der Operation je nach Befund das beste Verfahren ausgewählt (sog. individueller maßgeschneiderter "tailored approach")

Perfix light Plug
Hier wird wie mit einem Korken die Bruchlücke mit einem 3-dimensionalen Netzschirmchen verschlossen und zusätzlich noch ein flächenhaftes Netz eingefügt.

ProgGrip - Klettnetz
Hierbei handelt es sich um ein selbsthaftendes Netz, das wie bei einem Klettverschluss am Gewebe haftet und sich perfekt an die Leistengegend anpassen kann. Vorteile dieser Methode: da das Netz wie ein Klettverschluss am Gewebe haftet, muss es nicht extra angenäht werden. So werden Nerveneinengungen vermieden. Die Operationszeit verkürzt sich, somit auch kürzere Narkosezeit. Die Fixierung des selbsthaftenden Netzes ist nach 4 Wochen um 100% stärker als die einer Naht.

UltraPro Plug
Dieses Netz hat das Aussehen zweier zusammengenähter Knöpfe. Der innere Knopf deckt die Bruchlücke von innen, der äußere Knopf von außen ab. Im Bedarfsfall wird noch ein flächiges Netz darüber genäht. Der Vorteil dieses Netzes ist, dass es sich zum Teil auflöst und somit nicht im Gewebe "stört", vor allem bei sehr schlanken Personen. Das "Restnetz" verbleibt im Operationsgebiet und stabilisiert die Schwachstelle dauerhaft.

Adhesix
Hierbei handelt es sich um ein beschichtetes Netz, das durch einen Gelbeschichtung selbsthaftend ist und nur noch einen minimalen Befestigungsaufwand erfordert. Dadurch wird eine noch schonendere Reparatur der Bruchlücke ermöglicht und die Operationszeit verkürzt, auch werden Nerveneinengungen vermieden.

Wie schnell kann der Patient nach dem Eingriff wieder nach Hause?

Bei den allermeisten Patienten sind Leistenbruchoperationen ambulant möglich. Die Patienten können 1 bis 2 Stunden nach Beendigung der Operation die Praxis wieder verlassen.

Wann besteht nach der Operation volle Belastbarkeit?

Normale Bewegungen gefährden das Operationsergebnis nicht. Hr. Dr. Withöft empfiehlt seinen Patienten, sich nach eigenem Ermessen zu bewegen und ihre gewohnten Tätigkeiten so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Volle Belastbarkeit - und somit auch Sport und Berufsfähigkeit - sind nach 3 bis 4 Wochen wieder gegeben. Nach dieser Zeit besteht auch keine Einschränkung mehr bezüglich des Hebens schwerer Lasten.

Empfehlung von Hr. Dr. Withöft

Bei den im Chirurgie- und Venencentrum durchgeführten Leistenbruchoperationen mit dem spannungsfreien Netzverfahren waren die Patienten generell schmerz- und beschwerdefreier. Schon 3 bis 4 Wochen nach der Operation konnten wieder Vollbelastungen durchgeführt werden. Der Vorteil der spannungsfreien Operationsverfahren liegt zudem in einer geringeren Rezidivquote gegenüber den klassischen Nahtverfahren bei Leistenbruchoperationen.

Insgesamt konnten beste chirurgische Ergebnisse erzielt werden.

Mit zunehmender Spezialisierung in der Leistenbruchchirurgie hat sich die Zahl der entsprechenden Operationen, die im Chirurgie- und VenenCentrum   durchgeführt werden, stark erhöht. Die hierdurch entstandene Erfahrung hilft natürlich, entscheidend Komplikationen zu vermeiden und dient damit der besseren Versorgung aller Patienten.

Ein Standardverfahren in der Leistenbruchchirurgie gibt es nicht. Die jeweilige Operationsmethode sollte individuell dem Patienten angepasst werden und entscheidet sich manchmal erst im Verlauf der Operation. Ein Zitat von Dr. D. Uwe Klinge anlässlich der Berliner Hernientage 2008 zu den Standards in der Hernienchirurgie soll dieses verdeutlichen:

„Es gibt keinen Standard-Patienten, keine Standard-Hernie und auch kein Standard-Verfahren, mit dem ein Standard-Ergebnis zu erzielen ist. Schluss mit der Suche nach dem Gold-Standard! Stattdessen sollte eine patientenbezogene Therapie nach Maß mit hochgradig standardisierten Techniken erfolgen“.