Vorteile einer berufsgenossenschaftlichen Behandlung:

Optimale fachärztliche Behandlung

Für die Zulassung zum Durchgangsarzt gelten strenge Anforderungen. Bis 31. Dezember 2010 mussten D-Ärzte ausnahmslos Fachärzte für Chirurgie mit dem Schwerpunkt Unfallchirurgie sein. Aufgrund des neuen Facharztes für Orthopädie und Unfallchirurgie wurden die Zulassungskriterien zum 1. Januar 2011 geändert. Voraussetzung ist der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie und nach Facharztprüfung ein Jahr weitere Tätigkeit in einer unfallchirurgischen Abteilung eines für schwere Verletzungsarten zugelassenen Krankenhauses (VAV-Haus). Damit ist eine Niederlassung als Durchgangsarzt möglich, allerdings ohne Genehmigung für ambulantes Operieren. Letzteres setzt den Abschluss der Spezialisierung Spezielle Unfallchirurgie voraus. Die Praxis eines D-Arztes muss besonders ausgestattet sein, so müssen z. B. Räume für invasive Eingriffe und ein Röntgenraum vorhanden sein. Die Praxis muss auch für Liegendkranke zugänglich sein.

Besondere personelle Anforderungen werden auch gestellt. So müssen z. B. immer zwei medizinische Assistenzkräfte anwesend sein, und der D-Arzt muss eine durchgängige Bereitschaft in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr (montags bis freitags) gewährleisten.

Ein D-Arzt muss durchschnittlich mindestens einmal im Jahr eine berufsgenossenschaftlich zertifizierte Fortbildung machen und sich bzw. seine Praxis auch sonst technisch und medizinisch auf dem neuesten Stand halten. Weiterhin bestehen umfangreiche Dokumentations-, Berichterstattungs- und Begutachtungspflichten.

Behandlung ohne Budgetzwänge

Im Durchgangsarztverfahren gibt es keine Budgetierung wie bei den gesetzlichen Krankenkassen. Der D-Arzt kann dem Unfallverletzten ohne Einschränkung alle erforderlichen Medikamente, Hilfs- und Heilmittel verordnen. Das bedeutet für den verletzten Patienten, dass er Zugang zu allen Arzneimitteln hat, Krankengymnastik im benötigten Umfang ohne Zwangspausen rezeptiert bekommt und keine Einschränkung bei erforderlichen Hilfsmitteln wie Schienen, Orthesen usw. zu befürchten hat.

Therapie in Spezialkliniken

Bei schweren Verletzungen haben die Unfallverletzten Anspruch darauf, in einer der Spezialkliniken der Berufsgenosssenschaften behandelt zu werden. In diesen Kliniken arbeiten viele Spezialisten unter einem Dach Hand in Hand.Hier in Bayern ist das die Unfallklinik in Murnau.

Berufshilfe

Kann trotz optimal durchgeführter Heilbehandlung und medizinischer Rehabilitation eine Wiedereingliederung des Versicherten in seinen bisherigen Arbeitsplatz aufgrund der Folgen des Arbeitsunfalles oder der Berufskrankheit nicht oder nicht ohne weiteres erfolgen, kommen Leistungen  zur Teilhabe am Arbeitsleben in Betracht.

Die Berufsgenossenschaften versuchen mit allen geeigneten Mitteln - unter Berücksichtigung der Grundsätze von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit - den Versicherten nach seiner Leistungsfähigkeit, Eignung, Neigung und bisherigen Tätigkeit auf Dauer in das Arbeitsleben zu integrieren.Hierzu wird ein positives Leistungsbild erstellt, bei dem u.a. der bisherige Arbeitsplatz, die vorhandenen beruflichen Fertigkeiten und Kenntnisse sowie der Gesundheitszustand analysiert werden.Gemeinsam mit dem Versicherten wird dann geprüft, inwieweit z.B. Leistungen zur Erhaltung des bisherigen Arbeitsplatzes oder Erlangung eines ähnlichen Arbeitsplatzes zur beruflichen Anpassung, Fortbildung, Ausbildung oder Umschulung erforderlich werden.

Unfallrente bei Dauerschaden

Nach einem eingetretenen Versicherungsfall erhält der Geschädigte von der Berufsgenossenschaft nicht sofort die Unfallrente. Liegt eine Arbeitsunfähigkeit vor, springt vielmehr als Erstes für 6 Wochen die gesetzliche Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber ein.

Anschließend zahlt die BG eine Entgeltersatzleistung in Form von Verletztengeld, das 80 Prozent des Regelentgelts entspricht, aber nicht höher als das regelmäßige Nettoarbeitsentgelt sein darf. Abgezogen davon werden dann noch die Beitragsanteile zur Renten- und Arbeitslosenversicherung. Die Zahlungen enden mit dem letzten Tag der Arbeitsunfähigkeit bzw. mit dem Beginn der Zahlung von Übergangsgeld: grundsätzlich spätestens mit Ablauf der 78. Woche - jedoch nicht vor Ende der stationären Behandlung.

Bleibt eine andauernde Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von mindestens 20 Prozent durch einen Arbeitsunfall, einen Wegeunfall oder eine Berufskrankheit - die noch 26 Wochen nach dem Versicherungsfall besteht - zurück, so wird die gesetzliche Unfallrente geleistet. Eine Ausnahme gilt bei Versicherungsfällen ab dem 1. Januar 2008 bei landwirtschaftlichen Unternehmern und ihren im Unternehmen mitarbeitenden Ehegatten oder Lebenspartner, sowie nicht nur vorübergehend mitarbeitende Familienangehörige. Hier ist eine MdE von wenigstens 30 % Voraussetzung für einen Rentenanspruch.

Wann zum Durchgangsarzt?

Bei einem Arbeitsunfall und bei einer Wiedererkrankung aufgrund eines Arbeitsunfalls ist die freie Arztwahl eingeschränkt: Die verletzte Person muss im Normalfall einem Durchgangsarzt vorgestellt werden. Hierüber soll der Arbeitgeber die Beschäftigten informieren. Wenn ein Verletzter irrtümlich zuerst seinen Hausarzt aufsucht, muss dieser dann den Patienten an einen D-Arzt überweisen. Da bei einem Arbeitsunfall nicht die Krankenkasse, sondern die Unfallversicherung Kostenträger ist, ist für den Besuch beim D-Arzt kein Krankenschein bzw. keine Chipkarte erforderlich. Verordnete Medikamente sind zuzahlungsfrei.
 
Ausnahmen von der D-Arzt-Behandlung sind u. a.:

  • Bei kleinen Unfällen: Wenn die Arbeitsunfähigkeit nicht über den Unfalltag hinaus besteht und die Behandlung nicht länger als eine Woche dauert, kann ein Allgemeinmediziner die Behandlung ohne Überweisung an einen D-Arzt durchführen.
  • Verletzte mit isolierten Augen- oder Hals-Nasen-Ohren-Verletzungen sollen sofort einem Augen- bzw. HNO-Arzt vorgestellt werden.
  • Bei sehr schweren Verletzungen (z. B. offener Schädel, Gelenkbruch) muss nicht erst ein D-Arzt aufgesucht werden, sondern soll der Verletzte direkt in eine Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik oder in ein entsprechendes Krankenhaus eingeliefert werden. Dort sind meist auch Durchgangsärzte tätig.
  • Bei Verdacht oder Vorliegen einer Berufskrankheit kann jeder Arzt aufgesucht werden.

Ablauf einer bg-lichen Behandlung

Der D-Arzt hat unter Anderem folgende Aufgaben:

  • Feststellung der medizinischen Diagnose und Ermittlung des Sachverhaltes (z. B., ob es sich überhaupt um einen Arbeitsunfall handelt)
  • fachärztliche Erstversorgung
  • Erstellung des Durchgangsarztberichtes für den Unfallversicherungsträger
  • falls nötig Hinzuziehen von anderen Fachärzten

Der D-Arzt legt weiterhin fest, welcher Arzt die weitere Behandlung durchführen soll. Er selbst soll nämlich nur in rund 20 % der Fälle die Behandlung übernehmen. Die meisten Patienten verbleiben in der Behandlung eines Arztes für Allgemeinmedizin. Der D-Arzt hat allerdings die Möglichkeit, sogenannte Nachschauen durchzuführen. So muss der Patient u. a. zum Abschluss der Behandlung noch einmal zum Durchgangsarzt, da dieser das gesamte Heilverfahren steuert. Außerdem darf nur der Durchgangsarzt Heilmittel (z. B. Massagen) und Hilfsmittel (z. B. Prothesen) verordnen.